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04.05.2015 20:45 Age: 3 yrs

Eins und eins zusammengezählt

Hier und da einmal die Bonuspunkte für den Einkauf auf eine schicke Plastikkarte gespeichert, das ist noch kein gläserner Verbraucher. Wenn man veschiedene Quellen bündelt, entsteht ein umfassendes Bild. Profis sprechen von Big Data


Sigrid geht gerne shoppen. Sparsam wie sie ist, greift sie gerne bei Sonderangeboten zu. Auch die Punkte, die an der Kasse schnell und unproblematisch auf eine Plastikkarte gespeichert werden, können nach einer Zeit eingelöst werden. Datenschutz für Sigrid kein Problem, sieht ja sowieso jeder , was sie in der Kasse auf das Band legt. Dass sie immer häufiger anstatt zu Markenprodukten zu den Discounterwaren greift, damit ist Sigrid nicht allein. Und das Buch "Schnell aus der Schuldenfalle"  hat sie sowieso im Internet bestellt. Es kommt im bekannten Karton des Online-Händlers. Übrigens der gleiche, über dessen Plattform sie das Silberbesteck von Tante Hedwig "versilbert" hat. Und dann hat Sigrid sich den 10 Jahre alten Kleinwagen besorgt, ebenfalls über das Netz. Weiß ja keiner, dass sie eigentlich seit einem Jahr nach schicken Cabrios gesucht hat. Und der Urlaub im Erzgebrige war auch ganz nett, mal etwas ganz anderes als die häufigen Fernreisen der vergangenen Jahre.

Dass Sigrid ihren Job verloren hat und momentan ziemlich knapp bei Kasse ist, dass weiß nur sie selbst - und jemand, der Sigrids Datenspur verfolgt. Genau das ist keine Zukunftsvision sondern Realität. Großteils mit unserem Einverständnis, abgenickt in den AGBs unserer Einkäufe, unserer Apps etc, sammeln Werbenetzwerke Daten über uns und zählen eins und eins zusammen. 

Bis jetzt gilt das Prinzip der Datensparsamkeit. Es dürfen nur Daten erhoben werden, die für die Abwicklung eines Geschäftes notwendig sind. Ausnahmen nur, wenn der Verbraucher seine Zustimmung erteilt (siehe oben). Im Zuge der EU-Datenschutzverordnung diskutiert der europäische Rat, Daten zukünftig einzuteilen in schützenswerte oder belanglose Daten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht in dieser Unterscheidung eine Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren – und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. „Es gibt in der digitalen Welt keine belanglosen Daten. Deshalb darf es in der geplanten EU-Datenschutzverordnung keine Unterscheidung zwischen schützenswerten und weniger schützenswerten Daten von Personen geben“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. Quelle: http://www.vzbv.de/dokument/eu-datenschutzverordnung-es-gibt-keine-belanglosen-daten